Charlotte



Charlotte Salomon war eine Künstlerin, die mir bis vor kurzem noch vollkommen unbekannt war. Umso schöner ist es, dass ich ihr Leben durch Foenkinos Biografie über die Künstlerin entdecken konnte. „Schön“ ist in diesem Zusammenhang wahrscheinlich das falsche Wort. Wie das Leben vieler anderer endete das Schaffen der 27 jährigen, schwangeren Künstlerin mit ihrem Tod in den Gaskammern des KZ Ausschwitz/Birkenau.


Inhalt


Das Buch erzählt schlicht die Geschichte des kurzen Lebens einer vielversprechenden jungen Künstlerin, die 1917 geboren, das Ende des zweiten Weltkrieges als Jüdin nicht überlebte. Schon ihre ersten Jahre sind von Verlust gezeichnet – Depression und Selbstmord ziehen sich durch die Familiengeschichte Charlottes. Obwohl sie Jüdin ist, kann sie ein Studium der Malerei in Berlin beginnen. Dieses Studium wird sie nie beenden. Stattdessen begibt sie sich auf die Flucht nach Frankreich, lässt Heimat und geliebte Menschen hinter sich. Kurz nach ihrer Hochzeit wird das Ehepaar verraten. Das junge Familienglück endet in Ausschwitz, noch bevor es überhaupt beginnen konnte.

Leseeindruck der ersten Zeilen des Buches


„An einem Grabstein lernt Charlotte ihren Namen lesen.

Es hat also schon eine andere Charlotte vor ihr gegeben.

Ihre Tante, die Schwester ihrer Mutter Franziska.

Charlotte und Franziska waren ein Herz und eine Seele.

Bis zu einem Abend im November 1913.“

.

Aus meiner Sicht


https://de.wikipedia.org/wiki/Charlotte_Salomon
Foenkinos war mir eigentlich für eher leichtere Kost wie „Natalie küsst“ bekannt. Deswegen hat mich die Wucht seines Romans „Charlotte“ fast umgehauen. Nicht umsonst ist dieses Buch derartig beliebt.Bücher und Filme über den Holocaust gibt es viele – auch viele gute, wenn man z.B. auf den „Jungen im gestreiften Pyjama“ schaut. Anders als dieses Buch ist „Charlotte“ keine fiktive Geschichte, sondern eine Biografie, die sich auf die Autobiografie „Leben? Oder Theater?“ bezieht. Zwischen den Eindrücken aus dem Leben der Künstlerin sind immer wieder Kommentare des Autors selbst eingeschoben, der beschreibt, wie er auf das Buch blickt, das er gerade schreibt.

Äußerlich erinnert der Text an ein langes Gedicht. Ein Gedicht ohne Reim und Metrum. Foenkinos hat einzelne Sätze Zeile für Zeile an einander gereiht, sodass eher verschiedene, lose Eindrücke entstehen, als ein genau geschilderter Roman. Aus meiner Sicht ist diese Art, Charlottes Geschichte zu erzählen perfekt – aus dem gleichen Grund, den der Autor selbst beschreibt. Jeder Satz hat so viel Wucht, dass er nach dem Schreiben, wie auch nach dem Lesen ein Aufatmen verlangt. Der Leser macht sich selbst Gedanken und überlässt nicht jeden Gedankengang der Erzählkunst des Autors. Für ein Thema wie das eines kurzen Lebens, dass sein Ende in einer Gaskammer fand, ein perfekter Erzählstil – denn ein solches Leben ist nicht ausgeschmückt. 

andere Meinungen 



Fakten



Originaltitel: Charlotte

Verlag:Penguin

1.Auflage 20176

Seiten: 237

ISBN 978-3-328-10022-5

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