so geht Kunst



 
©Swantje Schurig
Moderne Kunst scheidet die Geister und ist ein oft und gerne genutztes Objekt mehr oder minder lustiger Witze. Das liegt vielleicht auch daran, dass sich Kunst oft ernster nimmt, als sie eigentlich ist. Deshalb war ich froh, ein Buch über Kunst zu lesen, dass sich selbst ein wenig auf die Schippe nimmt, ohne peinlich zu sein. So etwas ist ein schmaler, gefährlicher Drahtseilakt, den Grayson Perry aus meiner Sicht hervorragend gemeistert hat.


Inhalt


Hervorzuheben am Inhalt sind die hervorragend zum Text passenden Cartoons, die ich aber nicht einfach in meine Rezension  bauen möchte, da ich ihnen aus meiner Sicht so den besonderen Charme nehmen würde. Ich empfehle den Genuss ausschließlich zusammen mit der Lektüre.

Inhaltlich ist der Name Programm. „So geht Kunst“ gewährt einen Einblick in die Welt des Kunstlebens, in ihre Tücken und Sonnenseiten, ihre Komplexität und Spitzfindigkeit. Perry bespricht typische Fragen wie „Ist eigentlich alles Kunst heut zu Tage?“, „Wer entscheidet denn noch, was gute Kunst ist?“ und „Was kann Kunst überhaupt noch in einer Zeit, in der man schon alles gesehen hat?“.

Diese Fragen bespricht er, wie sollte man es auch anders von einem Künstler erwarten, aus seiner ganz persönlichen Sicht, die den Leser durch die Augen eines Menschen blicken lässt, der die Kunstwelt wirklich lieben gelernt hat.

Leseeindruck der ersten Zeilen des Buches


Wie viel?!

Es war die BBC-Hörspielserie The Archers- eine seit über 60 Jahren gesendete und nicht unbedingt als Brutstätte des Avantgarde bekannte englische Seifenoper-,die mich zum ersten Mal auf den Gedanken brachte, dass zeitgenössische Kunst inzwischen absolut konsensfähig geworden war.

Aus meiner Sicht


Ich kann nicht leugnen, dass ich ein großer Verfechter der Kunst und felsenfest überzeugt bin, das Kunst ein wichtiger Teil des Kosmos ist. Hätte der Autor diese Meinung nicht geteilt, hätte ich für diese positive Meinung wahrscheinlich nicht garantieren können.

Aber Perry hat ein Lob auf die Kunstwelt geschrieben. Keine hochtrabende Abhandlung, die man sich vielleicht vorstellt, wenn man sich im Angesicht eines Selbstportraits von Albrecht Dürer wieder findet, sondern ein modernes und unterhaltendes Buch für diejenigen, die entweder überhaupt nicht verstehen, warum leere Butterdosen in manchen Fällen Kunst darstellen, oder die sehr elitär anmutende Kunstszene ein wenig sarkastischer betrachten möchten, als sie es sich selber trauen.

Perry reißt den Schleier, der über Galerieeröffnungen liegt hoch und zeigt die ganz einfachen Menschen darunter, die genauso normale Berufe ausüben, wie der nette Müllmann von Gegenüber. Er zeichnet dafür ein Bild dieser Menschen, das greifbar erscheint – so, wie ein Müllmann von robuster Statur sein muss, sind Menschen in der Kunstwelt eben dazu prädestiniert ihren Namen tanzen zu können. Und ja, das ist eine Fähigkeit – oder könnten sie einfach so in Bewegungen fassen, was ihr Name für sie bedeutet?

Zusammenfassen ist „So geht Kunst“ ein unterhaltendes Buch, das man ohne Probleme nebenbei auf dem Weg zur Arbeit genießen kann. Trotzdem schafft es Perry, Stoff zum Nachdenken zu hinterlassen. Nach diesem Buch hat man etwas gelernt – aber ohne, das man etwas davon gemerkt hat.

Fakten:


©Prestel
Originaltitel: Playing to the Gallery. Helping contemporary art in its struggle to be understood.

Verlag: Prestel

1. Auflage 2017

Seiten: 140

ISBN:973-3-7913-8336-1

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