Kochen in den Kew Gardens

©Swantje Schurig


Normalerweise ist heut zu Tage ein Kochbuch nicht mehr essentieller Bestandteil eines neu gegründeten Haushalts. Schließlich braucht man nur Google zu fragen und das Potential der eigenen Kochkunst steht bereit. Wozu also unnütze Staubfänger in die eigene Küche holen, wenn die Möglichkeiten dank des Internets unendlich sind? Meistens ist es das eigene, eingeschränkte Ideenspektrum, das heute noch zum Kauf eines Kochbuchs motiviert.


Die „Kew Gardens“ Bücher


Wie so oft habe ich zu diesen Büchern in erster Linie nicht wegen ihres Inhalts gegriffen. Sie sehen einfach wunderschön aus und sind geschmackvoll und hochwertig gestaltet. Die Illustrationen der Pflanzen stammen vorwiegend aus bereits vorhandenen Sammlungen meistens aus dem 19. Jahrhundert. Man bekommt also einiges zu sehen, das wirklich einen genaueren Blick wert ist. Sei es die Illustration einer Orange aus einem französischen Buch aus dem Jahre 1846 oder George Brookshaws Stachelbeeren.

Die Seiten beider Bücher sind jeweils zum Rezept passend unterschiedlich gefärbt. Insgesamt wirkt das Innenleben passend zu den Bildern wie eine alte Rezeptsammlung, die liebevoll mit einzeln eigeklebten Bildern, Texten und Zeichnungen entstanden ist. Die Bücher wirken gestalterisch sehr durchdacht und aufwendig entwickelt. Zu jedem neuen Abschnitt im Buch gibt es beispielweise ein wunderschönes doppelseitiges Deckblatt und zwischen den Rezepten werden ganze Seiten für alte Illustrationen geopfert. Der Stil, der sich schon vom Cover erahnen lässt, zieht sich durch das gesamte Buch.

Tees, Tonics & Cocktails


Bevor ich dieses Buch besessen habe, war mir gar nicht bewusst, welche Möglichkeiten offen stehen, wenn man ein einfaches Getränk zubereiten will. Zwischen den Rezepten sind wunderbar geschriebene Texte zu bestimmten Getränken oder Pflanzen eingefügt, sodass aus der Rezeptsammlung ein sehr informatives Sachbuch zu werden scheint. Die Autoren dieser kleinen Texte sind wie im Fall von z.B. Hattie Ellis keine unbekannten Namen.

Die Rezepte und Textpassagen sind im Inhaltverzeichnis gut gegliedert und dank Register immer wieder gut wieder zu finden. Meine Versuche, einige Getränke nach zu kochen, wurden nicht durch unverständliche Erklärungen vereitelt. Bei einigen Rezepten stören einige recht exotische Zutaten ein wenige die Euphorie. Auf der anderen Seite jedoch reizt es, auch einmal etwas anderes als „Orangensaft“ oder „Rum“ in der Zutatenliste zu sehen. Man fragt sich, welche Genüsse man bis dahin verpasst haben mag.

Das Kochbuch


Das eigentliche Kochbuch ist viel mehr auf die beschriebenen Pflanzen fokussiert, als seine Schwester. Das Inhaltsverzeichnis ist lediglich eine Gliederung der Rezepte nach dem Vorkommen ihrer Hauptzutat. In der oberen Ecke ist bei jedem Rezept zu lesen, welche Pflanze im folgendem im kulinarischen Mittelpunkt steht. Persönlich verwirrt mich dieser Aufbau im Vergleich zu den Getränken, weil ich nicht gezielt nach dem suchen kann, worauf ich gerade Appetit habe. Normalerweise wähle ich mein Mittag nämlich nicht nach dem Ursprungsland seiner Zutaten aus.

Informativ ist jedoch auch dieses Buch – am Beginn eines jeden Ursprungslandes stehen Hintergrundinformationen für den Leser bereit. Im Verglich zu den Getränken wirkt das Kochbuch  gegliederter und die Texte sind nicht eingefügt, sondern einführend.

Alles in allem…


Bei beiden Büchern ist die Rezeptauswahl mehr als abwechslungsreich. Man entdeckt viel Neues – nicht nur im Bereich der Zubereitung von Speisen und Getränken.

Aus meiner Sicht sind die Kew Gardens Bücher genau das, was man in einer Welt mit umfangreichen Zugang zu Rezepten brauch: eine kulinarische Inspirationsquelle, die wunderschön aufbereitet nicht nur den Speiseplan bereichert, sondern auch das Wissen über die Pflanzen, die man gerade auf dem Teller hat.

Nebenbei ernährt man sich mit diesen Büchern viel obst- und gemüselastiger. Das ist nicht nur gesünder, sondern man entdeckt auch die geschmackliche Vielfalt der Flora. 

Fakten



©Gerstenberg
Originaltitel: Kew´s Global Kitchen Cookbook
Verlag: Gerstenberg
1. Auflage 2016
Seiten: 160
ISBN:978-3-8369-2130-5
für 24,95 Euro kaufen
©Gertsenberg
 Originaltitel:Kew´s Teas, Tonics and Tripples
Verlag: Gerstenberg
1. Auflage 2016 
Seiten: 160
ISBN:978-3-8369-2131-5

1 Kommentar:

  1. Hallo Klopstock, sehr gelungener Artikel �� ich freue mich schon auf deine neuesten Kreationen, die wir testen dürfen ��
    Wir sehen uns zur Matheprüfung,
    Liebe Katzegrüße, Frieda ��

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