frische Bücher



Netflix und Co. scheinen dem guten, alten Buchhandel langsam den Rang ab zu laufen. Verlässt man jedoch eine gute Buchhandlung nach einer ausgiebigen Stöbertour, kommt man schon ins Grübeln, ob der Trend zu schnelllebigen Medien wirklich gerechtfertigt ist.

Für die unentschlossenen unter den frisch begeisterten Lesern, aber auch für die alten Hasen am Büchertisch meiner Heimatstadt bereitet die Buchhändlerin Uta Reichel ihrer „Feierabendliteratur“ das Überangebot unter den Neuerscheinungen für den Durchschnittsleser auf.
Entgegen dem, was die meisten Menschen unter dem Wort „Lesung“ verstehen, blieb die Atmosphäre gespannt und freundlich- alle Augen warteten begierig auf die neusten Informationen aus der Literaturwelt.

Paul Auster- 4321

Unter der Menge der vorgestellten Bücher finden sich wie immer einige Schätze, die man auch dieser Leserschaft nicht vorenthalten möchte.
Als heller Stern betrat Paul Austers Roman „4321“ das Firmament des Literaturmarktes, während die Kritiker ungewöhnlich zustimmend applaudierten.
Das 1300 Seiten schwere Buch beschreibt Archibald Fergusons Leben aus vier verschiedenen Blickwinkeln heraus. Wer kennt die Frage „Was wäre wenn?“ nicht. Wir alle haben sie uns mindestens einmal gestellt. Auster beantwortet uns diese Frage mit seinem Gedankenexperiment rund um Archibald, der aus vier verschiedenen Leben unter den unterschiedlichsten Umständen als der Selbe aber dennoch verändert hervorgeht. Wer sich in den Tiefen von dicken Büchern und inhaltlich faszinierenden Büchern zu Hause fühlt, sollte „4321“ auf keinen Fall missen.

Joost Zwagerman-Duell

Für diejenigen, die eher auf leichtere Lektüre setzen, hat Joost Zwagerman eine geistreiche Alternative geschrieben. „Duell“ ist eine Karikatur der Spitzfindigkeit des Kunstmarktes, die auf meisterhafte weise auch für diejenigen unterhaltsam ist, die zwischen Monet und Picasso keinen Unterschied erkennen. Nur knapp 150 Seiten braucht der Autor, um eine krimigleiche Jagd durch die Kunstwelt zu inszenieren, bei der man das Schmunzeln an der einen oder anderen Stelle nicht zurückhalten kann. 

Martin Suter-Elefant

Wenn es um abwechslungsreiche Neuerscheinungen geht, darf man den Diogenes Verlag nicht außer Acht lassen. Der rosarote Elefant, der durch Martin Suters in die Buchläden spazierte, ist nicht nur faszinierend, sondern regt auch zum Nachdenken an.
„Elefant“ ist eine wunderbar konzipierte Geschichte rund um das Für und Wieder der Genforschung. Was auf den ersten Blick süß oder albern wirken mag, hat einen genau recherchierten Kern. Suters leuchtender, rosa Elefant treibt nicht nur die Meinungen der Protagonisten auseinander, sondern auch die der Leser.

Eine kleine Sammlung auf verschiedenste Weise sprachlich ausgefeilter Bücher darf in keinem Buchregal fehlen. „4321“, „Duell“ und „Elefant“ haben nicht nur dies gemeinsam, sondern auch die Einzigartigkeit, die ein gutes Buch als Alleinstellungsmerkmal für sich verbuchen kann.
  

zum weiter stöbern:

4321
aus dem Rowohlt Verlag, 1264 Seiten, ISBN-10: 3498000977

weitere Infos: literaturleuchtet
 
aus dem Weidle Verlag, 160 Seiten, ISBN-10: 3938803819

weitere Infos: readindie

Elefant: aus dem Diogenes Verlag, 352 Seiten, ISBN-10: 3257069707

weitere Infos: buchsichten

 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich über Kritik, Anregungen, Komplimente und vor allem über deine persönliche Meinung. Fühle dich frei, ein Kommentar zu hinterlassen.