Alice im Wunderland

Foto von Swantje Schurig von einer Illustration von Benjamin Lacombe

Alice im Wunderland gibt es mittlerweile in allen Farben und Formen. Den letzten Kick hat der Geschichte wohl Johnny Depp gegeben, der mit seinem Zylinder Alice wieder in aller Munde brachte. Das Original ist weniger actionreich als die Leinwandversion und aus meiner Sicht um einiges zauberhafter. Ohne andauernde drohende kriegerische Auseinandersetzungen in computeranimierten Spitzenklassen-3D mit Riesendrachen und kriminellen Königinnen ist Alice Weg durchs Wunderland kindlicher – aber das gibt dem Buch doch den Charme.

Alice´ Geburtsstunde

So wie Astrid Lindgren auch, hatte Carroll bei der Arbeit an seinem Werk nicht in erster Linie den "offensichtlichen" Erfolg im Blick. Das Wunderland entstand für Alice Liddell, an deren Stelle unsere Alice Kingsley Bekanntschaft mit dem Hutmacher machen durfte. Als Alice im Wunderland also 1865 das Licht der Buchgeschäfte erblickte, war es eigentlich nur für die Hände der jungen Miss Liddell entstanden, die den Autor in vielerlei Weise verzaubert hatte. 
Die Geschichte an sich scheint mir trotz aller bunten Dodos und Kaninchen ausversehen doch ein wenig für Erwachsene geschrieben worden zu sein. Nicht umsonst ist dieses Buch nicht selten im Gespräch bei Mathematiker – die Logik dieses Buches ist auf den ersten Blick so unlogisch, dass man stundenlang an so manchem Gedicht herumtüfteln kann.

Als ich im Alter der eigentlichen Zielgruppe von Alice im Wunderland war, hatte ich schreckliche Angst vor diesem ganzen Durcheinander und die Grinsekatze war eh ein mehr als gefährlicher Psychopath. Irgendwo ist Carroll wohl doch über sein (Alters-) Ziel hinaus geschossen.

Ausgaben über Ausgaben

Alice im Wunderland ist kein Werk, was schwer auf zu treiben ist. Darum hatte ich die Qual der Wahl, was die Ausgabe meiner Lieblingsgeschichte betrifft. Ich finde die geschichtlichen Hintergründe mindestens genauso spannend wie das Wunderland an sich. Dieses Extra musste also auf jeden Fall vorhanden sein – inklusive ein paar Bildern, wenn ich bitten darf.
Meine Liebe für Illustrationen ist kein Geheimnis, also sprang mir Benjamin Lacombes Arbeit an meinem Lieblingsbuch sofort ins Auge. Natürlich konnte man mich nicht halten und ich schnappte mir die deutsche Version sobald sie zu haben war. Eine gute Entscheidung!

Meine Empfehlung

Das Buch ist wunderbar „nach der alten
Schule“ gebunden und ist sehr passend gestaltet. Das Cover sieht schon so aus, als würden komische Monsterhunde plötzlich anfangen, kleine Mädchen fressen zu wollen. Trotzdem behält es seinen Zauber durch goldene Verzierungen.
©Jacoby&Stuart
Das Innere ist typisch nach Lacombe-Manier gestaltet, die mehr als passend für die Geschichte ist. Wer wissen will, was genau das sein soll, kann sich hier ins Thema herabseilen. Die Gestaltung macht den Preis mehr als wett. Ausklappbare Innenteile mit großen Grafiken sind ein Augenschmaus. Nur die Schreibfehler, die ein wenig zu oft auftreten, nerven an einigen Stellen, sodass an einigen Stellen die Vermutung aufkommt, das Buch sei ein wenig zu hastig veröffentlicht worden. So konnte ich es wenigstens schnell in mein Regal stellen!
Insgesamt kann ich diese Ausgabe von Jacoby & Stuart trotz der Textprobleme jedem ans Herz legen, der Alice im Wunderland genau so liebt wie ich. Dieses Buch wird dem Wunderland gerecht.






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