Jackaby




Neben meinen alltäglichen Abenteuern auf dem Weg zum Abitur, wird es langsam eng mit dem Lesen. Aber das ist egal, schließlich muss mich die Integralrechnung auf mein Leben vorbereiten! Man könnte mich mit einer Ableitung erpressen. Aber wenn ich den Krieg gegen die Wissensstapel das ein oder andere Mal zu verlieren drohe, schwöre ich auf Heimaturlaub, weit ab von der Front. Ich liebe schon lange Sherlock Holmes und alles, was diese wunderbaren Geschichten stilvoll adaptiert. So ist mir Jackaby in die Hände gefallen – eine Geschichte ganz im Stile des altbekannten Detektivs aus der Baker Street, nur cooler.

Inhalt

Ganz nach meinem Geschmack spielt die Geschichte  im Charme des 19. Jahrhunderts. Ich mag diese Jack the Ripper –Atmosphäre (obwohl die sich unser Schauplatz in Amerika befindet, nicht in England) und finde sie höchst passend für einen Krimi, in dem es um übersinnliche Kreaturen geht, die in grausige Morde verwickelt sind.
New Fiddelham schreibt also das Jahr 1892 und darf Abigal Rook willkommen heißen, die auf der Suche nach einer Anstellung prompt der Stellenanzeige des extraordinären Detektivs Jackaby in die Arme läuft. Mit ihm wird sie in den Fall eines Serienmörders verwickelt, der seine Opfer aufgeschlitzt zurück lässt. Am Tatort fehlt etwas essentielles- die Mengen an Blut, die bei einer derartigen Brustverletzung eigentlich zu erwarten wären.

Leseeindruck der ersten Zeilen des Buches


„Es war Ende Januar und New England trug einen Mantel aus frisch gefallenem Schnee, als ich über die Landungsbrücke ging. New Fiddelham lag in der einsetzenden Dämmerung vor mir, Laternenschein umspielte die vereisten Gebäude, die die Ufer des Hafenviertels säumten, und ließ ihr Mauerwerk wie in der Dunkelheit funkelnde Diamanten aussehen.“

Aus meiner Sicht

Allein das Cover hat mich schon begeistert. Kein Wunder, dass ein so schönes und wohl durchdachtes Cover ein Buch ziert, das solchen Anklang genießt. Und das auch zu Recht. Jackaby ist ein raffiniert durchdachter Charakter, der sich auf eine moderne und junge Art an Sherlock Holmes anlehnt. Ritter versteckt nicht, dass er sich den alten Stoff zur Brust genommen hat, um ihn zu entstauben, und so mit Feen, Kobolden und Banshees auf zu pimpen, dass sich die entstandene Geschichte in den Zeitgeschmack einfügt. Das finde ich einerseits schlau und sogar gut gemacht – schließlich kann es auch böse in die Hose gehen, Holmes gegen Kobolde kämpfen zu lassen.
Die Protagonistin Abigail, die ihre höchst kuriosen Erfahrungen mit dem Detektiv der etwas anderen Art schildert, ist eine weitere Krone der Romancharakterschöpfungen. Man erfährt genau so viel über sie, dass ihre Person ein Rundes Bild ergibt, aber es wird genügend Spielraum gelassen, um den Appetit auf die folgenden Teile anzuregen, die bis jetzt jedoch nur auf Englisch erschienen sind.
Die Handlung ist im Falle eines Krimis für gewöhnlich ein ausschlaggebender Punkt. Ich konnte während des Lesens fröhlich mit raten und wurde nicht auf offensichtlich falsche Fährten oder derartigen Krams geführt. Aber das Beste war schließlich, dass mir die Auflösung nicht total unlogisch und weit hergeholt vorkam. Das passiert mir erschreckend oft  bei Krimis, die sich an der Fantasy Abteilung probieren. Ritter hatte schon einen leisen Verdacht gestreut, den der Leser selbst nachgehen konnte, ohne schließlich mit der Nase in die Lösung gedrückt zu werden. Raffiniert, lieber Herr Ritter!
Schließlich finde ich auch die Auswahl der Fabelwesen, die einen Teil der Geschichte für sich beanspruchen durften, sehr gelungen. Ich war froh, von den altbekannten Vampiren und Co. verschont geblieben zu sein. Nebenher erfuhr man allerhand interessante Geschichten über Fabelwesen aus vielerlei Kulturen. Auch die zart eingesponnene Liebesgeschichte, die so richtig noch keine werden sollte, war mir nicht zu aufdringlich und kitschig, sondern der Geschichte zuträglich. Ein bisschen Liebe darf es selbst bei mir mal sein.

andere Meinungen 



Fakten

Originaltitel: Jackaby
Verlag: cbt
1. Auflage 2016
Seiten: 319
ISBN 978-3-570-31088-5

 

 

Copyright

Bild 2: cbt-Verlag

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