der Schrecksenmeister



Ich habe eine Neigung zu gut illustrierten Büchern. Nicht nur zu gut illustrierten Büchern – ich mag das skurrile, andersartige. Die Art von Büchern, die nicht versucht zu gefallen, sondern einfach ist, wie sie nun mal ist- nicht immer schön, aber besonders. Manchmal ist es recht schwer, solche ganz speziellen Bücher zu beschaffen. Aus diesem, zugegeben ziemlich faulen Grund, greife ich im Zweifelsfall zu Walter Moers´ Schrecksenmeister. Eine Dauerlösung für Leser mit kuriosen Ansprüchen, die weder Zeit noch Lust haben, eine lange Suche nach dem Eindringlichen zu starten.

Inhalt


Sledwaya, Zamonien – ein höchst deprimierender Ort, der zur noch deprimierenderen Handlung passt. Moers übersetzt wieder einmal ein Werk des zamonischen Dichters Hildegunst von Mythenmetz, der uns schon einige Male in seine Welt entführte.

Sledwaya ist dreckig, grau, und voll von den ekelhaftesten Krankheiten. Tiefergehende Beschreibungen und Vergleiche möchte ich mir an dieser Stelle pietätvoll sparen. In eben dieser Stadt lebt Echo, der so etwas wie eine Katze ist, nur cooler – eine Kratze. Unser vierbeiniger Protagonist sieht sich eines Tages in der bedrängenden  Situation, einen Vertrag mit Succubius Eißpin, dem Schrecksenmeister Sledwayas abschließen zu müssen. Diesem Eißpin möchte man nicht im Dunkeln begegnen – hässlich, bösartig und ehrgeizig. Wahrscheinlich stinkt er auch, das wird jedoch nicht explizit erwähnt. Abgemacht ist folgendes: Echo wird auf höchstem kulinarischem Niveau durchgefüttert, bis er fett genug ist, um geschlachtet zu werden. Sein kürzlich angelegtes Fettpolster wird anschließend für ein alchimistisches Gebräu genutzt, durch das Eißpin Herr über Leben und Tod zu werden gedenkt.

Das übliche also. Ein bisschen wie bei Goethes Faust.


Leseeindruck der ersten Zeilen des Buches


Stellt euch den krankesten Ort von ganz Zamonien vor! Eine kleine Stadt
mit krummen Straßen und schiefen Häusern, über der ein schauriges schwarzes
Schloss auf einem dunklen Felsen thronte. In der es die seltensten Bakterien
und kuriosesten Krankheiten gab: Hirnhusten und Lebermigräne,
Magenmumps und Darmschnupfen, Ohrenbrausen und Nierenverzagen. Eine
Zwergengrippe, die nur Personen unter einem Meter Körpergröße befiel.


aus meiner Sicht


Dieses Buch ist, wie ich schon anklingen lassen habe, wunderbar anders und realitätsfern. Wer schon länger in Zamonien zu Hause ist, freut sich außerdem darüber, einen vollkommen neuen Handlungsschauplatz vor die Nase gesetzt zu bekommen.

Die Handlung ist an sich gefährlich simpel gewählt- nachdem man die Kurzzusammenfassung gelesen hat, denkt man genau dieses Problem in 1000 anderen Werke schon einmal auf sich einprasseln lassen zu haben: verzweifelter, liebenswerter Protagonist muss einen schrecklichen Vertrag mit einem mächtigen Bösewicht eingehen.  Aber da ich grundsätzlich davon überzeugt bin, dass Walter Moers nicht fähig ist, langweilige Geschichten wieder aufzuwärmen, habe ich mich nicht abschrecken lassen.



Und mein Vertrauen wurde belohnt! Der fade Grundteig der Geschichte wurde mit skurrilen, witzigen, abstoßenden und gruseligen Rosinen gespickt, die einen abwechslungsreichen und unvorhersehbaren Handlungsverlauf entstehen ließen. Die doch sehr triste Grundthematik wird auf eine Art aufgegriffen, die von Andersartigkeit nur so strotzt. Nur, weil der Protagonist seinem qualvollen Ende entgegen stolpert, ist noch lange nicht alles traurig, verzweifelt und deprimierend.

Wie könnte ich von den Illustrationen sowie der gesamten Aufmachung absehen! Genau wie der Text sind Moers´ Abbildungen ganz in seinem persönlichen Stil gehalten- etwas anders mit einer Spur Kuriosität aber trotzdem einfach und wirkungsvoll. Es ist schwer gestaltete Bücher zu finden, die nicht für dreijährige sind oder so aussehen, als wären sie es. Und trotzdem: hier haben wir ein Exemplar, dass sich nicht nur lesen, sondern auch sehen lassen kann!


andere Meinungen



Fakten


Originaltitel: der Schrecksenmeister

Verlag: Piper

1.Auflage: 2009

Seiten: 384

ISBN 978-3-492-25377-2
für 10,99 Euro kaufen

  

  

 Copyright

Bild 3: ©Piper Verlag

Bild 1,2: ©Moritz Werthschulte

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