Atlas der unentdeckten Länder



London, Paris, Rom- Orte, die mich für sich gewonnen haben. Orte, an denen gefühlt jeder schon mindestens ein einziges Mal war. Es ist schwer, sehenswerte Orte auf der Landkarte zu entdecken, die frei sind vom üblichen touristischen Rummel. Dennis Gastmann hat uns einen Atlas geliefert, der den Rest der Welt um die unberührten Flecken auf der Landkarte ausradiert. Der Scheinwerfer steht allein auf Ländern wie Transnistrien, Palau und Karakalpakstan.


Inhalt


Wie schon geschildert, ist der Inhalt dieses Buches allein für die als unbekannt erklärten Reiseziele bestimmt. Beim Kauf dachte ich noch, diese Länder seien frei erfunden. Weit gefehlt! Nach einiger Zeit mit Google findet man den Beweis für die Existenz der beschriebenen Staaten. Die Orte werden von Kapitel zu Kapitel beinahe ohne Zusammenhang besucht. Gastmann bleibt dabei ganz in seiner Haut – alles ist aus einer auffallend subjektiven Perspektive geschildert. Der selbst ernannte Gonzo-Journalist hat diese vom klassischen Journalismus vollkommen gegensätzliche Erzählweise zu seinem Steckenpferd ernannt. Ich interessiere mich sowieso für Werke, die den Journalismus neu erfinden – immer her damit!


Leseeindruck der ersten Zeilen des Buches


„This is a nasty piece of wather“, knurrte Nigel, als wir Mangereva verließen und der Wind jäh von Backboard blies, „jetzt reiten wir den Wal.“ Der Abend schmeckte nach Diesel, Messer und Gabeln klirrten über das Deck, und die Claymore legte sich so verflucht auf die Seite, dass uns war, als könnten wir durch die Luken direkt in den Schlund der Ungetüme blicken, die in den Wogen lauerten.

Aus meiner Sicht


Puh, wo soll ich anfangen. Die Idee hinter dem Buch finde ich großartig. Einen Atlas in einer subjektiv berichtenden Form zu veröffentlichen, ist für einen Journalisten eine großartige Sache. Fern ab von der Idee hat mich die Umsetzung im enttäuschend kalt plätschernden Regen stehen lassen. Die bewusst extrem subjektive Erzählform ist in meinem Fall um Längen über das Ziel hinaus geschossen. Ich wurde einfach nicht mit diesem Schreibstil warm. 

Die Puzzleteile des ersten Kapitels haben sich schließlich zwar beschwerlich aber verständlich zu einem Bild zusammengefügt. Das zweite Kapitel war jedoch schon zu viel von mir verlangt. Ich habe verzweifelt nach einem Zusammenhang gesucht. Das meine Suche von Anfang an vom Autor zum Scheitern verurteilt wurde, wurde mir erst viel später bewusst. Ich muss offen eingestehen, dass ich einfach zu langsam bin für diese Art von Reportage. Denn auch die sinnhaft zusammenhängenden Teile haben nur ein seichtes Bild der Kulisse hinterlassen.

Die Bruchstücke des Buches, die in mein verwirrtes Hirn durchgedrungen sind, waren ein wunderbarer Ausflug zu den ungeahnten Ausläufern unserer Gesellschaft. Nur zu gern hätte ich mehr dieser Lichtblicke erlebt. Die Geschichte und Idee hinter dem Kuddelmuddel aus Gastmanns Erzählweise lugten für mich ab und zu hervor und machten mich traurig, dass ich nicht mehr von ihnen gesehen habe.

Der Atlas der unentdeckten Länder erinnerte mich oft an mein Mathebuch – das Wenigste ist zu mir durchgedrungen, obwohl ich verstanden habe, dass der Inhalt begeisternswert ist. Die nicht vorhandenen Bilder helfen beim Verständnis leider auch nicht weiter. Obwohl die Illustrationen von Harry Jürgens am Anfang und am Ende ein schöner Anblick waren.


Andere Meinungen




Fakten


Originaltitel: Atlas der unentdeckten Länder

Verlag: Rowohlt Berlin

1. Auflage 2016

Seiten: 272

ISBN 978 3 87134 825 9 
für 19,95 Euro kaufen

 

 

Copyright


Bild 1,2: © Moritz Werthschulte

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