meine Favoriten der vatikanischen Museen

Rom bietet eine unglaubliche Menge von Kunst an jeder Straßenecke. Will man die Dosis trotzdem erhöhen, muss man unweigerlich päpstliches Gebiet betreten. Seine Heiligkeit besitzt "Gott sei Dank" die Güte, seine Privatsammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
An Sicherheitskontrollen wird nicht gespart. Trotzdem hat es zu meinem persönlichen Entsetzen und Erstaunen eine Freundin geschafft, ihr Taschenmesser unwissentlich in den Vatikan zu schmuggeln. Für alle anderen gelten natürlich die üblichen Regeln. Man sollte außerdem nicht vergessen, wie außerordentlich heilig Orte wie die Sixtinische Kapelle sind. Gott möchte weder Schultern noch Knie sehen. 
An so manchem Sommertag reicht die Schlange vor den Museen so weit, dass mir selbst ein Spaziergang entlang der Menschen zu viel war. Darum kann man sich umso mehr freuen, dass die Eintrittskarten zu den Museen schon im vorherein für um die 30 Euro erworben werden können. So spart man sich wenigstens das Warten am Ticketschalter. Die andere Schlange am Eingang ist zwar trotzdem vorhanden, jedoch um einiges humaner als ihr große Schwester. Wer trotzdem nicht warten möchte oder kann sollte sich bereits in den Morgenstunden auf den Weg machen. Auf diese Weise hat man außerdem die Erfahrung der vatikanischen Museen ganz ohne überquellende Menschenmassen und Rentnergruppen.




© Amadalvarez - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4989635

Estances de Raffael

Nummer 16-19

Die Zimmer des Rafael sind Räume der Gemächer des Papstpalastes. Raffael höchstpersönlich malte sie, wie damals üblich, mit Hilfe seiner Schüler aus. Der besondere Reiz dieser Räume besteht darin, dass nur ein einziger Künstler sie nach 4 unterschiedlichen Hauptthemen gestaltet hat. 

Da die Bemalungen im Auftrag des Papstes entstanden, ist einer der Räume (17) allein dem Ruhm und der Herrschaft der Päpste gewidmet. Das Übliche eben: gottgegebener Ruhm und Reichtum des Papstes mit seiner Kirche. Dieser Raum hat nicht unbedingt meine Begeisterung für diesen Teil der Museen entfacht. Das Besondere kommt erst noch.


Der Raum des Konstantin (16) macht es da schon besser. Die Szenen aus Konstantins Leben sind wunderschön anzusehen und erzählen eine für mich wohl bekannte Geschichte über konstantinische Schenkungen und Schlachten bei milvischen Brücken.

Das glänzende Finale erwartet uns jedoch erst in den 2 verbliebenen Räumen (18 & 19). Bei diesem Anblick kann dem ein oder anderen Begeisterten wie mir schon mal das Herz in die Hose rutschen. Aber auch die Gelangweilten kommen auf ihre Kosten - denn hier befindet sich die berühmte "Schule von Athen".

Die Malereien sind im Stil der Renaissance, ohnehin eine meiner Lieblingsepochen, gehalten. Es werden die 3 höchsten Prinzipien des menschlichen Geistes dargestellt. Was jetzt so hochgestochen klingt, ist eigentlich ganz einfach:
Die Schule von Athen, meiner Meinung nach das Herzstück, zeigt das Wahre. Die dargestellten Philosophen demonstrieren durch ihr Wissen die Fähigkeit des Menschen, die Wahrheit zu ergründen.
Die Kardinal- und Gotttugenden Tapferkeit, Klugheit, Mäßigung und Glaube, Hoffnung, Liebe demonstrieren in ihrer künstlerischen Darstellung das Gute.
Apoll und seine Musen, die das Bild vervollständigen sind, wer hätte es gedacht, Personifikationen des Schönen. 
© von oben nach unten: 
 © Schule von Raffael, Gemeinfrei

©Konrad Oberhuber. Raffael. Das malerische Werk, München: Prestel 1999, p. 116, Gemeinfrei

© Lure - Eigenes Werk, Gemeinfrei

© VRaffael - The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH., Gemeinfrei


Biblioteca Apostolica Vaticana

Nummer 26


©Maus-Trauden - Eigenes WerkOriginaltext: selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48584309
Die Bibliothek ist aus meiner Sicht vor allem ein Highlight, wenn man bedenkt, welche Massen an historischen Dokumenten hier lagerten. Die 150000 Handschriften, 75000 Bücher, 300000 Münzen und Medaillen und die restlichen 300000 Werke sind heute natürlich gesichert und unter besondere klimatische Verhältnisse gesetzt. Das soll heißen, dass man aufgrund des Sauerstoffmangels nicht lange dort herum laufen könnte. Und ein nettes Souvenier kann man hier auch nicht mehr mitgehen lassen. Die Gestaltung der ursprünglichen Bibliothek ist wahrscheinlich auch um einiges sehenswerter. Man sollte sich ruhig Zeit nehmen, die Wandmalereien auf sich wirken zu lassen.

die Sixtinische Kapelle

Nummer 25

Der Ort an dem der neue Papst gewählt wird. Wer würde sich diesen Arbeitsplatz der Kardinäle entgehen lassen! Namenhafte Künstler wie Botticelli, Perugino, Ghirlandaio, Rosselli und Signorelli gestalteten allein die Wände mit Darstellungen des Lebens von Moses und Jesus.
Aber wer kommt schon wegen der Wände in diese Kapelle. Das Deckengemälde von Michelangelo Buonaroti höchst persönlich ist ein Augenschmaus. es zeigt 9 Szenen aus der Genesis, der Schöpfungsgeschichte. Die berühmteste ist die Erschaffung des Adam auch als "göttlicher Funke" bekannt. Doch auch von "Und Gott sprach, es werde Licht" bis zur Trunkenheit Noahs ist alles in meisterhafter Darstellungsgewalt zu bewundern. Wer sich besonders viel Zeit und Ruhe für die Kapelle nehmen will, sollte sie so früh wie möglich besuchen. Schließlich strömt jeder Besucher zum Ort des Konklave.



© von oben nach unten:
©Von Antoine Taveneaux - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6029837
© [1], CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=13609 


©Jörg Bittner Unna - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46496746






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