Aktionskunst im Selbstversuch

Mit einem Paar Schwämmen über den Boden wischend, während man aus dem Augenwinkel zwei Mitschülerinnen mit blauen Badekappen demonstrativ atmen sieht, fängt man schnell an, am Sinn seiner Sache zu zweifeln. Aktionskunst ist schwer greifbar. Dass das nicht nur ein Problem für Zuschauer sein kann, war mir bis zur Aufführung unserer Performance selbst nicht bewusst. 

Noch nie im Leben kam ich mir so albern vor. Nicht, dass es mir nicht schon während den Proben so ging. Die Aufführung war nur die Krönung. Nach dem Projekt kann ich aber sagen, dass es genau das war, was mir das Projekt des Künstlerbundes mitgeben konnte: sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, den Alltag mal aus einem anderem Blickwinkel zu betrachten. In einem halben Jahr hat mir dieses Projekt bestehend aus Pümpeln, Klebeband und Federn mehr Perspektiven aufgezeigt, als es der Matheunterricht in 11 Jahren konnte.

Was ist das überhaupt?


Um diese Frage zu beantworten, bietet es sich an, Joseph Beuys zu Rate zu ziehen. Ein Mann,der im Bereich der bildenden Kunst ein dicker Fisch im abstrahierten Goldfischglas ist. Eben dieser Herr erfreute sein Publikum mit Werken wie „Wie man dem Toten Hasen die Bilder erklärt“. Ein künstlerisches Erlebnis das auch dem Kurs, dank Videoaufzeichnungen der Performance, nicht verborgen bliebt-  Das Publikum, durch eine Glasscheibe ausgesperrt betrachtet den Künstler Beuys mit einer Goldmaske, wie er einen toten Hasen durch den Raum bewegt. Nach der intensiven Beschäftigung mit diesem Kunstwerk war Beuys Zitat „Ich denke sowieso nur mit dem Knie.“ glaubhafter denn je geworden.

Auch das Ziel einer Performance ist es, etwas zu übermitteln. Dieses Etwas kann vieles sein: eine Meinung, ein Gefühl oder alles erdenklich Ähnliche. Ob der Angesprochene versteht, was ausgedrückt werden soll ist dabei eine ganz andere Geschichte, über die sich diskutieren lässt. Yoko Ono beispielsweise hat einige ihrer Peroformance ausschließlich darauf ausgelegt aus zu testen, wie weit Menschen gehen wollen und können. So ließ sie sich auf einer Bühne ihr Kleid vom Publikum zerschneiden.

Das soll Kunst sein?

Eine der brennensten Fragen, die bei Aktionskunst im Raum stehen ist: „Das soll Kunst sein?“. Mit dem Mantra „Kunst kommt von Können“ kommt man nicht mehr weit. Mit „Können“ im klassischen Sinne hat Aktionskunst wenig zu tun. Um hinter den Sinn mancher Kunstwerke zu steigen, ist man gut beraten, wenn man es wie Beuys pflegt mit dem Knie zu denken. Eine Fähigkeit, die man als durchschnittliche Person erst einmal an sich heran lassen muss. Der Verlust von jeglicher Logik, die oft mit Performance Kunst einher geht ist für einen durchschnittlichen Menschen sehr schwer zu verkraften.

Es war unglaublich interessant zu sehen, wie unterschiedliche Generationen auf Aktionskunst reagieren. Der Teil unserer Performance, der beinhaltete, dass Zuschauer Federn an ein auf Schwämmen liegendes Mädchen kleben, war sehr aufschlussreich. Ich hatte Kinder vor mir, die sich voller Begeisterung auf die Federn stürzten und sich vollkommen auf diese neue, unerwartete Art der Kunst einließen. Einige alten Damen dagegen guckten die Federn auf eine Art an, als hätten sie tote Regenwürmer vor sich, während ihre benachbarte Freundin enthusiastisch  die Gehhilfe packte und ihre Feder an das Mädchen klebte. Einige Zuschauer klopften uns nach der Performance anerkennend auf die Schulter: “Habt  ihr richtig toll gemacht, Mädels!“ Die Stimmen, die ich später beim Kaffeklatsch belauschte fassen die allgemeine Stimmung jedoch besser zusammen: “Ja, also es ist schon interessant, was man mit Körpern so anstellen kann. Aber diese Pümpel und Badekappen waren schon bekloppt.“



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