das Mädchen mit den gläsernen Füßen

 

Inhalt

Ida Maclaird steht mit ihren zwanzig Jahren mitten im Leben. Die lebenslustige Frau verwandelt sich jedoch seit einer schicksalhaften Begegnung mit Henry Fuwa von den Fußsohlen an in Glas. Eine verzweifelte Suche nach einer Lösung, die ihren Tod zu verhindern vermag, führt Ida schließlich nach St. Hauda´s Land. Am Ende der Suche nach Henry, der Quelle ihrer Verzweiflung findet sie die Liebe - in Person von Midas Crook, einem zurückgezogen lebenden Fotografen.

Die Geschichte wird umrahmt von einer träumerisch-fantasievollen Beschreibung der Natur auf St.Hauda´s Land. Ali Shaw bettet Idas Suche nach Heilung in Erzählungen von geflügelten Kreaturen und Tieren, "die alles in Weiß verwandeln" ein. Der englische Autor schuf ein melancholisches Märchen, dass die Fantasie auf triste Wanderwege schickt.


 Leseeindruck der ersten Zeilen des Buches

"In jenem Winter berichteten die Zeitungen über einen Eisberg von der Größe einer Galeone, der voll knirschender Erhabenheit an den Klippen von St. Hauda´s Land vorbeitrieb, über ein Wildschwein, das verirrte Wanderer aus dem Felsenlabyrinth unterhalb des Lomdendol Tor herausführte, über einen verblüfften Ornithologen, der in einem Schwarm von zweihundert Krähen fünf Albinos gezählt hatte. Aber Midas Crook las keine Zeitung, er betrachtete nur die Fotos.  ©Ali Shaw, script5

 aus meiner Sicht

Idas Person ist zentrales Thema des Romans. Die gesamte Geschichte hangelt sich an ihrer Suche nach Heilung entlang- einer Suche nach Henry Fuwa, der allein im Moor lebend nur selten die Stadt besucht. Seinen Aufenthaltsort ist niemandem der Bewohner bekannt. Obwohl Ida Zentrum der Erzählungen ist, kann man sich kein tiefgründiges Charakterbild machen. Um die Metapher des "gläsernen Menschen" zu verstehen, die Shaw nur all zu offensichtlich in seinem Werk versteckt hat, fehlen eben diese Aspekte vollkommen. So kommt es, dass man das Buch verwirrt aus der Hand legt, ohne den eigentlichen Kern erfasst zu haben. 

Auch Midas Figur fehlt der fassbare Tiefgang. Zwar wird er als Person durch rückblickende Erzählungen von Alltagsszenen aus seiner Kindheit umrissen, diese Situationen ähneln sich im Laufe des Buches jedoch so sehr, dass man keine wirklich Essenz aus ihnen ziehen kann. Es bleibt lediglich das Wissen über seinen kaltherzigen Vater und die misshandelte Mutter. Die Beschreibungen seiner Neigung zur Fotografie dagegen zeigen wunderbar Midas zarte, verletzliche Seite und gewähren tiefe Einblicke in die Denkmuster des Charakters, ohne aufgesetzt zu wirken.

Betrachtet man die Geschichte im Gesamten, muss man den hervorragenden Schreibstil Shaws hervorheben. Er zeichnet mit seinen intensiven und ausgefeilten Worten ein so klares Bild seiner Handlung, dass man sich der fantasievollen Umgebung nicht entziehen kann. Die Handlung an sich besticht durch die ungekünstelte Liebesgeschichte zwischen Midas und Ida. Das Verhalten und vor allem die Probleme der Figuren lassen die Märchenathmosphäre ein wenig realer und greifbarer wirken. 

Die triste Athmosphäre, die am Anfang des Buches zum weiterlesen anregt, verliert sich im Verlauf in Trostlosigkeit. Man findet selbst unter den Nebenakteuren keine einzige Person, die mit keinem Schicksalsschlag zu kämpfen hat. Der Autor bietet dabei weder Lösungsansätze noch Hoffnungsschimmer. Am Ende bleibt das Buch ohne Gewinner der Geschichte. Damit ist auch der Leser gemeint - da der Kern des Buches mit der letzen Seite immer noch nicht sichtbar wird. 
Dieses melancholisch triste Märchen faziniert zwar durch Shaws Erzählgabe, lässt den Leser inhaltlich jedoch im Regen stehen. 

Fakten

©privat


Originaltitel: The Girl With Glass Feet

Verlag: Sript5

1. Auflage 2012

Seiten: 398

ISBN: 978-3-8390-0131-8 

für 19,95 Euro kaufen






  
andere Meinungen:

http://www.die-fantastische-buecherwelt.de/rezension-zu-das-madchen-mit-den

http://buechersuechtig-sabine.blogspot.de/2012/04/rezension-das madchen-mit-den-glasernen.html?m=1 

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich über Kritik, Anregungen, Komplimente und vor allem über deine persönliche Meinung. Fühle dich frei, ein Kommentar zu hinterlassen.