Blazej Dzikowski




„Den Faschismus gab es doch schon immer. Als ob das neu wäre. Diese Menschen bekommen durch die Regierung einfach eine Stimme. Jetzt ist es in Polen auf einmal nicht mehr „böse“, sich im Denken nach rechts zu wenden, weil die Regierung dasselbe tut. Ein gutes Beispiel: Wenn der Minister das Stück „der Tod und das Mädchen“ verbieten lassen will, weil die Besetzung  des Stückes mit seinen Augen betrachtet nicht legitim ist, darf sich jeder vor das Theater stellen und versuchen, diese Vorstellung zu boykottieren.“, erklärt der polnische Autor Blazej Dzikowski.
Der 39-jährige wurde in Warschau geboren und lebt bis heute in Polens Hauptstadt. Das Schreiben begleitet ihn schon seit er in den Kinderschuhe steckte: „Ich habe mir schon Geschichten ausgedacht, bevor ich schreiben konnte. Ich mochte es, kleine Comics zu malen und meinen Opa an zu weisen, was er an die Bilder zu schreiben habe.“ Dzikowski führte seine Leidenschaft fort und studierte Kulturwissenschaften, Anglistik und später Drehbuchschreiben. Zurzeit arbeitet er mit dem Regisseur Tomek Baginski zusammen und schreibt u.a. für polnische Serien und Filme.

freiraum-verlag/Dominika Dzikowska
 
„Man muss das schreiben, was man selbst gerne lesen würde. Sonst nimmt einem das einfach keiner ab! Außerdem kann ich mir so sicher sein, dass das Buch wenigstens einer mag– und das bin ich.“, berichtet der Autor mit einem Lächeln, „Trotzdem glaube ich nicht daran, dass man Kunst macht, ohne etwas von außen zu erwarten. Meine ersten Bücher waren nicht

sonderlich erfolgreich. Ich habe erst bei mir selbst die Schuld gesucht. Das war nicht sonderlich zuträglich für meine Stimmung und mein Selbstbewusstsein. Dann ist mir plötzlich aufgefallen, wie viel einfacher es ist, die Schuld bei anderen zu suchen. Und so schnell kann man bei blindem Hass landen. Puff! und schon ist man da.“
Die Inspiration für seine Figur Roch Sadowski, der einen ähnlichen Weg in „der Weg des Saturn“ beschreiten wird, lieferte allerdings ein ehemaliger Freund: “Wir waren in der Schulzeit gute Freunde, weil wir „anders“ waren. Wir haben nicht die Musik gehört wie die Übrigen. Sowas eben. Während des Studiums ist er dann böse abgedriftet. Er hat an den „kapitalistischen Traum“ geglaubt. Baer dieser Traum war einfach nicht für ihn geschaffen, er ist introvertiert. Also musste man nicht lange warten, bis er herbe Rückschläge erlitt. Und dann führte eins zum Anderen. Frustration wird zu Hass. Hass zu Radikalisierung. Ein Teufelskreis.“
Die polnische Fassung des Buches erschien bereits 2007, noch weit weg von der rechten Welle, die das Land heute erfasst hat. „Nun, ich habe beim Schreiben des Buches nicht in die politische Richtung gedacht. Es ist einfach meine Erfahrung. Literatur ist keine Propaganda. Jedenfalls in den meisten Fällen. Man kann sie schlecht auf eine ideologische Seite ziehen. Literatur soll sein wie das Leben. Deswegen ist mein Buch so, wie es nun mal ist – nicht ausschließlich lustig, nicht traurig. Wie das Leben eben.“
Als sich Dzikowski auf den Weg auf seine Deutschlandreise machte, blieb auch ihm nicht verborgen, was die brennendste Frage sein wird, die ihm bevor steht: “Ich dachte mir schon, dass man mich nach der Flüchtlingskrise fragen wird. Das liegt wohl auf der Hand. Aber warum sollte ich als kleiner Autor eine Frage beantworten können, dessen Antwort ganz Europa sucht? Ich weiß nur eins: ihr lebt schon länger mit Ausländern als die Polen. Deutsche sollten eigentlich wissen, dass islamistische Terroristen vergleichbar sind mit Neonazis. Sind alle Deutschen Neonazis? Nein. Demnach sind auch nicht alle Muslime Terroristen. In Polen werden Ausländer auf offener Straße verprügelt, einfach weil sie anders sind: Blinder Hass. Ich denke und hoffe, in Deutschland sind die Menschen im Kopf ein Stückchen weiter.“






Hintergrundinfos:

http://freiraum-verlag.de/die-autoren/blazej-dzikowski.html
http://freiraum-verlag.de/die-buecher/prosa/b%C5%82a%C5%BCej-dzikowski-der-weg-des-saturn.html

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